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Zedler: Philosophen HIS-Data
5028-27-2004-16
Titel: Philosophen
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 27 Sp. 2004
Jahr: 1741
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 27 S. 1019
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Folgender Artikel: PHILOSOPHI
Siehe auch:
Hinweise:
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  Text   Quellenangaben
  Philosophen, Lat. Philosophi, heissen diejenigen, welche sich der Erkänntniß der göttlichen und menschlichen Dinge vornemlich angelegen seyn lassen, und in unserer Sprache Weltweise genennet werden.  
  Wenn wir einigen Griechen glauben, so haben diese zuerst unter allen Völckern philosophirt. Nun ist nicht ohne, daß Pythagoras der erste gewesen, der den Namen eines Weltweisen, d.i. eines Liebhabers der Weißheit, angenommen; weil er davor hielt, daß der Titul des Weisen, der zu seiner Zeit gemein war, GOtt allein zukäme. Allein wie vor ihm bereits Weltweisen in Griechenland gelebt, also haben Tatianus, Theodoretus  
  {Sp. 2005|S. 1020}  
  und viele andere gewiesen, daß die Barbarn lange vor ihnen philosophirt, wie denn die meisten Griechischen Weltweisen bey gedachten Barbarn in die Schule gegangen. Denn was bey den Griechen Sophi und nachmals Philosophi hiesse, daß hiessen bey den Chaldäern, Egyptiern und Persianern Mogi, bey den Indianern Gymnosophisten und Braminen, bey den alten Deutschen und Galliern aber Druyden.  
  Jedoch ist unter den Barbarischen und Griechischen Weisen dieser Unterschied; daß jene fast alle zugleich Priester waren, und ihre Weißheit nicht öffentlich, auch nicht einen jeden lehrten, viel weniger selbige in Schrifften darlegten, da hingegen die Griechischen eine besondere Gattung von Leuten ausmachten, die eben keine Priester waren, sondern vielmehr grösten theils dem Aberglauben, welchen die Priester unterhielten, widerstunden, ihrer Meynung nach erkannte Wahrheit, so wohl in Schrifften als mündlich vortrugen, und niemanden schlechterdings ihre Schulen verschlossen, ausser daß irgend Pythagoras die, so seine Schüler seyn wolten, auf die Probe stellte, und aus seinen Lehren Geheimnisse machte.  
  So pflegten auch die Griechen ihre Lehre mehr auf die Vernunfft, die Barbarn hingegen mehr auf die mündliche Fortpflantzung zu gründen, daher bey jenen so viele und bey diesen sehr wenig Secten entstanden. Gleichwie nun die Weltweisen entweder etwas gewisses behaupten, und solches in gewisse Disciplinen theilen, und darinnen vortragen, welche man dogmaticos heisset, oder alle Warheit oder deren Gewißheit in Zweiffel ziehen, welche man Scepticos, oder auch von ihrem Urheber Pyrrho Pyrrhonios und anders nennet; also werden sonderlich jene in Eclecticos (die aus allen das beste wählen, und keinem Ansehen folgen) und Sectarios (welche ihren Verstand unter dem Gehorsam eines gewissen angesehenen Lehrers gefangen nehmen, unterschieden.  
  Von der Barbarischen Weltweißheit ist wenig mehr vorhanden, ausser was uns irgend die Griechen davon hinterlassen, welches der berühmte Stanlejus in seiner philosophischen Historie gesammlet, und in einige Ordnung gebracht hat. Die Barbarn aber, von denen wir wissen, daß sie Weltweisen gehabt, sind folgende:  
 
  • Die Chaldäer, so den Zoroaster,
  • die Perser, so den Zerdusht;
  • die Phönicier, welche den Moschum;
  • die Araber und Sabäer:
  • die Sineser, so den Confucius;
  • die Indianer:
  • die Egyptier, die den Mercurius Trismegistus;
  • die Thracier, so den Orpheus,
  • die Geten; so den Zamoires;
  • die Celten, Gallier und Deutschen, welche ihre Druyden;
  • die Scythen, welche den Anacharsis und Abaris
 
  zu Lehrern gehabt haben;  
  Bey den Griechen sollen die Poeten die ersten Weltweisen gewesen seyn; wie denn die meisten vorgeben, daß Homerus und Hesiodus in ihren Fabeln von den Göttern grosse Weißheit verborgen, und die alten Weltweisen zum theil sich angelegen seyn lassen, ihre Lehre aus dem Homero selbst herzuführen.  
  Allein wie nicht wenig gelehrte Leute anderer Meynung sind, also ist gewisser, daß die Griechische Weltweise in 2 Haupt-Schulen oder Secten eingetheilet worden, in die Ionische und Pythagorische, deren diese von  
  {Sp. 2006}  
  dem Pythagoras herkommt, und sonst auch die Italische genennet wird, die erste aber den Thales von Mileto zum Urheber hat, welche einer von den so genannten 7 Weisen war, so diesen Namen mehr von ihrer klugen Aufführung, als von ihrer Lehre hatten; Die Ionische Weltweise legten sich hauptsächlich auf die Naturkunde, bis Socrates kam, der die Moral empor brachte. Seine Zuhörer waren zum theil Urheber neuer Secten; denn es blieben gar weniger genau bey seiner Lehre.  
  Also kömmt  
 
  • von dem Aristippo die Cyrenäische,
  • von dem Phädo die Eliensische, welche auch nachmals von Menedemo Eretrico de Eretrische genennet wird,
  • vom Euclide Megarensi die Megarische,
  • vom Platone die Platonische oder Academische, die sich wiederum in besondere Secten zertheilet hat, als
    • die Academiam veterem, mediam et novam,
    • wozu noch einige die vierdte von Philo und Charmida,
    • und die fünffte von Antiocho, des Philo Schüler, zählen wollen;
  • ferner von des Plato Discipul Aristotele die Peripatetische,
  • von dem Antisthene aber die Cynische her, von welcher letztern hernach Ceno Citticus ausgegangen, und die Stoische Secte angefangen.
 
  Aus der Eleatischen Schule ist nach dem Democrito, der derselben einen grossen Glantz gegeben, die Epicurische Secte, so den Epicurum zum Vater hat, entstanden,  
  Diese Secten nun, von denen allen besondere Artickel handeln, breiteten sich nicht nur in Griechenland, sondern auch bey andern Völckern, vornemlich aber bey den Römern aus, obwohl unter diesen viele, absonderlich vor der Kayser Zeiten, sich die eclectische Weltweißheit gefallen liessen, unter denen Cicero oben an stehet. Als aber nachmals die Pythagoräer wegen der Magie verhaßt wurden, machte Kayser Antoninus den Schluß, daß bloß die 4 Secten, die Platonische, Stoische, Epicurische und Peripatetische geduldet werden solten.  
  Endlich als mit dem Ruin des occidentalischen Kayserthums alles von der Barbarey überschwemmet wurde, so fiengen nachmals in dem 8 Jahrhundert die Araber an, die Griechischen Bücher zu lieben, und sonderlich Aristotelis seine zu übersetzen, und seinen Lehren zu folgen. Wie sie sich nun bis in Spanien ausbreiteten, so kam endlich die Arabisch-Aristotelische Philosophie auch in Europa, aus welcher die so genannte scholastische Philosophie, so den Aristoteles, die Bibel, patres und beyde corpora juris, unter einander mischte, entsprungen ist.  
  Darauf brachen kurtz vor Luthern die Zeiten an, da die Studien einen neuen Glantz bekamen, und man die alten Verfasser wieder unter der Banck hervor zog, wodurch denn auch die Weltweißheit von neuem verbessert, und das scholastische Joch grossen theils abgeworffen wurde, da denn einige bloß die gemeinen Mängel anmerckten, andere aber die alten Secten wieder auf die Bahn brachten.  
  Bis hernach in den neuen Zeiten  
 
  • Baco von Verulamio,
  • Cartesius,
  • Hobbes,
  • Gassendus,
  • Grotius,
  • Pufendorff,
  • Leibnitz,
  • Wolff,
  • und einige andere,
 
  die eclectische Art zu philosophiren, in Engelland, Holland, Franckreich und Deutschland in Schwang brachten, und die Weltweißheit in einem solchen Flor setzten, in welchem sie vielleicht  
  {Sp. 2007|S. 1021}  
  niemals gewesen ist.  
  Wobey aber nicht zu vergessen, daß durch die Aufrichtung der Universitäten die gantze Gelehrsamkeit in 4 Facultäten unterschieden, und dadurch die Philosophische Facultät weiter ausgedehnt worden, also daß man seit der Zeit auch zugleich die so genannten freyen Künste mit unter dem Namen der Weltweißheit zu begreiffen pfleget.
  • Cicero Tusc. Quaest. Lib. 5. circa init.
  • Laert.
  • Voss. de sect. phil.
  • Hornii hist. phil.
  • und Conring antiq. academ.
  In den neuesten Zeiten pfleget man alle Philosophen in zwey Classen zu theilen, in die Sceptischen (Scepticos) und Dogmatischen (Dogmaticos). Die Dogmatischen vertheilen sich wieder in zwey Classen, als da sind  
 
1) die Monistae, so nur eine Art von Substantien, entweder nur Geister oder nur Cörper, zugeben, und
2) die Dualistae, die beydes Cörper als Geister statuiren.
 
  Die Monistae also müssen wieder getheilet werden, so, daß andere sind Idealistae, welche von nichts als Geistern wissen wollen, andere hingegen Materialistae, die nur lauter Cörper glauben.  
  Die Idealisten werden abermals unterschieden in Egoistas und Pluralistas. Die Egoisten heissen diejenigen, welche keine andere Substantz als nur sich selbst glauben, die Pluralisten aber, die neben sich auch andere Geister zugeben.  
     

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Stand: 1. März 2013 © Hans-Walter Pries