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Zedler: Theologie [2] HIS-Data
5028-43-857-27-02
Titel: Theologie [2]
Quelle: Zedler Universal-Lexicon
Band: 43 Sp. 868
Jahr: 1745
Originaltext: Digitalisat BSB Bd. 43 S. 447
Vorheriger Artikel: Theologie [1]
Folgender Artikel: Theologie [3]
Hinweise:
  • Allgemeine Bemerkungen zur Textgestaltung siehe Hauptartikel
  • Für die Auflösung der Quellenangaben siehe: Personen, Bibel
  • : Absatz in der Vorlage vorhanden
  • Transkribierter griechischer Text der Vorlage

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Übersicht
  Endzweck, den man bey der Theologie und deren Erlernung haben muß
  Subject
  Mittel
 
  übernatürliche
  natürliche
 
  mündliche Unterweisung
  Lesung guter Bücher

  Text Quellenangaben und Anmerkungen
  Bey denen Practischen Vorbereitungs-Gründen in Ansehung der Theologie hat man auf drey Stücke zu sehen, als auf den Endzweck, auf das Subject und auf die Mittel. Was den  
  Endzweck, den man bey der Theologie und deren Erlernung haben muß,  
  anlanget, so theilet man ihn in den nächsten und in den letzten. Jener, oder der nächste wird von dem Apostel Paulo gar deutlich in diesen Worten angezeiget: Daß ein Mensch GOttes sey vollkommen, und zu allem guten Werck geschickt, 2 Tim. III, 17.
  Gleich vorhero hatte er den Timotheo, mithin auch allen, welche der Gottesgelahrheit obliegen, die Lesung der Heil. Schrifft angepriesen, und ihm vorgestellet, daß selbige von GOtt eingegeben, und nütz wäre zur Lehre, zur Straffe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, worauf er denn gleich die Ursache, warum dieses geschehen müsse, in den angezogenen Worten beygefüget.  
  Denjenigen, der sich solchen Zweck vorzusetzen, und darnach zu streben, nennet er tou theou anthrōpon, einen GOttes-Menschen, und zeiget an, er müsse aus GOtt gebohren seyn; von GOtt zu seinem Beruff erhalten, und in Verwaltung des Amts auf GOtt sehen, daß er ihm so wohl mit der Lehre; als mit einem heiligen und unsträfflichen Wandel redlich und treu diene.  
  Von diesem GOttes-Menschen verlanget der Apostel, er soll seyn artios, vollkommen, und zwar [ein Wort Griechisch], geschickt, da denn jenes anzeiget, er müsse mit allen nöthigen Gaben versehen seyn; dieses aber, daß wenn er damit ausgerüstet, er auch darinnen wachse, und eine Geschicklichkeit habe, solche zur Erlangung des Endzwecks wohl anzuwenden. Solchen Endzweck nennet er das gute Werck, und verstehet dadurch alles, was zur Erbauung der Kirche nöthig ist, Ephes. IV, 12,
  indem aber solche mit sich bringet, daß die Ungläubigen bekehret; die Gläubigen gestärcket und getröstet werden, und GOtt hierzu gewisse Gnaden-Mittel verordnet, so muß man durch die Gnade GOttes eine Geschicklichkeit erlangen, mit denselbigen gehöriger massen umzugehen, und ein Beflissener der Gottesgelahrheit hat nöthig, sich desfalls um vier Stücke zu bekümmern.  
  Das erste ist eine hinlängliche Erkänntniß der Theologischen Wissenschafften; oder eine Theologische Gelahrheit, daß man im Stande sey,  
   
  Das erfordert nach den mancherley Umständen, darinnen sich die Menschen befinden, das Amt, so Lehrer und Prediger verwalten sollen. Sie müssen daher die Göttlichen Wahrheiten, sie mögen den Glauben, oder das Leben angehen, auf eine gründliche Art erkennen, daß sie andern wieder damit dienen können.  
  Doch ist dieses allein nicht hinlänglich.  
  {Sp. 869|S. 448}  
  Denn bey manchem findet sich eine grosse Gelehrsamkeit; gleichwohl ist er nicht geschickt, als ein Theologe das Werck des Herrn zu treiben, und zum Bau des Reichs Jesu Christi das seinige beyzutragen. Darum muß noch mehrers, und zwar vors andere die Himmlische Weißheit darzu kommen, welche gantz was anders, als die Gelahrheit ist. Denn mancher ist Gelehrt; dabey aber nicht weise; sondern in dem er gottlos lebet, und sich durch seine Sünden ins Unglück stürtzet, so ist er nach dem vielfältigen Ausspruch des Heil. Geistes in der Schrifft ein Thor und ein Narr.  
  Ein Weiser weiß nicht nur das Gute und Böse von einander zu unterscheiden; sondern er erwehlet auch das Gute, und fliehet das Böse, welches denn ohne Gelahrheit geschehen kan; bey einem Lehrer aber muß billig beydes beysammen seyn. Denn nach der Weisheit hat er die mancherley Arten seiner Zuhörer zu unterscheiden, und zu beurtheilen, was einem jeden heilsam und ersprießlich seit: Ob er soll Gesetz; oder Evangelium predigen: Er selbst suchet nichts anders, als die Ehre seines GOttes und das ewige Heyl der Menschen, damit er als ein treuer Haushalter erfunden werde, und sich als einen weisen Baumeister erweisen möge, 1 Corinth. III, 10.
  Darzu gelangt er nicht durch natürliche Kräffte, menschlichen Fleiß und Übung; sondern er hat sich an die Gnade GOttes zu halten, in der Schrifft zu forschen, von welcher Paulus sagt, daß sie uns kan unterweisen zur Seeligkeit, 2. Timoth. III, 15.
  oder, wie es nach dem Griechischen heißt, die uns kan weise machen, daß wir die Seeligkeit erlangen; damit aber das Gebet zu verknüpffen, und demjenigen nachzukommen ist, was Jacobus sagt: So jemand unter euch Weisheit mangelt, der bitte von GOtt, Cap. I, 5.
  Ist eine hinlängliche Gelahrheit nebst der Weisheit vorhanden, so ist auch das noch nicht genug, wenn man zur Erhaltung des vorhin angezeigten Endzwecks geschickt seyn will, indem, da man andern mit seiner Erkänntniß dienen muß, drittens eine Gabe, etwas vorzutragen erfordert wird, als woran viel gelegen ist. Denn mit dem blossen Wissen kommt man nicht aus; sondern, weil man andern die Göttlichen Wahrheiten bekannt machen, sie ermuntern, erwecken, bestraffen soll, so muß man im Stande seyn, einen ordentlichen, deutlichen, gründlichen und einfältigen Vortrag zu thun.  
  Beyde die Gründlichkeit und die Einfalt, können und müssen beysammen stehen. Das Wort GOttes wird gründlich gelehret, wenn man alles auf den eintzigen Grund unserer Seeligkeit, welcher ist JEsus CHristus,
  • 1 Corinth. III, 11.
  • Ephes. II, 20.
  • 1 Petri II, 4.
  bauet und alles aus der Heiligen Schrifft auf eine überzeugende Art leitet:  
  Man verkündiget es einfältig, so ferne man nicht mit hohen Worten, noch mit menschlicher Weisheit kommt; sondern selbst in der wahren Einfalt und Demuth stehet, und sich nach dem Zustande der Einfältigen richtet.  
  Nebst diesem allen ist noch vierdtens, die Heiligkeit des Lebens nöthig. Lehrer müssen vor andern  
 
  • ihr Licht leuchten lassen vor den Menschen,
Matth. V, 16.
 
  • ein Vorbild der Heerde werden,
1 Petr. V, 3.
 
  • zu ihren Zuhörern sagen können: Seyd unsere Nachfolger, gleichwie wir Christi,
1 Cor. IV, 6.
  {Sp. 870}  
  XI, 1.
  und bedencken, daß dieses vornehmlich die Absicht ihres Amts, oder die Erbauung mit sich bringt. Und dieses alles darum, weil sonst dasjenige was durch die Lehre gebauet worden, mit dem Leben und Exempel wieder niedergerissen wird.  
  Wird aber recht bedacht, was die Theologie vor einen wichtigen, hohen und heiligen Endzweck habe, und mit der reinen Lehre ein heiliges Leben verbunden, so wird zugleich der letzte Endzweck, den man bey der Theologischen Erkänntniß haben soll, befördert, welcher ist die Lehre GOttes.  
  Nach dem Endzwecke ist das  
Subject  
  zu erwegen, wie nehmlich derjenige müsse beschaffen seyn, welcher der GOttes-Gelahrheit obliegen will, wovon der Artickel Theologus, nachzusehen ist.  
  Wir gehen also weiter und kommen zu den  
Mitteln  
  die man zu gebrauchen und anzuwenden hat, wenn man den Zweck erreichen will.  
  Der selige Lutherus hatte drey Mittel vorgeschlagen, dadurch man ein rechtschaffener Theologe werden könne, nehmlich das Gebet, die Meditation, und die Anfechtung, in dem er in der Vorrede des ersten Theils der Teutschen Schrifften, so zu Jena zusammen heraus gekommen, sagt:  
  „Ich will dir anzeigen eine rechte Weise, in der Theologia zu studiren, in der ich mich geübt habe: wo du selbige hältest, solt du also gelehrt werden, daß du selbst könnest (wo es Noth wäre) ja so gute Bücher machen, als die Väter und Concilia, wie ich mich (in GOtt) auch vermessen, und ohne Hochmuth und Lügen rühmen darf, daß ich etlichen der Väter wolte nicht viel zuvor geben wenn es solt Büchermachens gelten, des Lebens kan ich mich weit nicht gleich rühmen. Und das ist die Weise, die der Heilige König David (ohne Zweiffel auch alle Patriarchen und Propheten gehalten) lehret im CXIX Psalm, da wirst du drey Regeln innen finden, durch den gantzen Psalm reichlich fürgestellet, und heissen also: Oratio, meditatio, tentatio,"  
  und darauf ein jedes dieser Mittel erkläret, welches auch von andern geschehen ist. Denn da sie ihre Anweisungen zur Erlernung der Theologie nach denselbigen eingerichtet, so haben sie solche erläutert, und ihre Beschaffenheit sowohl, als Nothwendigkeit gezeiget, wie man aus den Schrifften  
 
  • Gerhards in Methodo Stuii Theol.
  • Abraham Calovs in Paedia theologica me methodo Studii Theolog. ...
  • Aug. Hermann Franckens in Methodo Studii Theolog. ...
  • Joh. Frantz Buddei in Isagog. ad Theolog. Univers. ...
 
  sehen kan. Ausser diesen handelt von diesen dreyen Mitteln Peter Piscator in Orat. de studiis theolog. recte conformandis et instituend. die er 1610 zu Jena gehalten.  
  Man kan gar wohl alle diejenigen Mittel, die man hier nöthig hat, nach diesem Ausspruch Lutheri erklären, daß man müsse beten, meditiren, und eine Erfahrung, sonderlich in Ansehung der Anfechtung erlangen; es läst sich aber auch die Sache so vortragen, daß man sagt, die Mittel, die einem Beflissenen der Theologie zur Erhaltung seines Zwecks nöthig,  
  {Sp. 871|S. 449}  
  sind entweder übernatürliche, oder natürliche.  
Zu jenen, oder zu denen übernatürlichen, gehöret vornehmlich das Gebet, welches das allernöthigste und nützlichste Mittel ist, so, daß man ohne demselbigen zu demjenigen Zweck, welcher vorher angezeiget worden, ohnmögliche kommen kan. Denn weil hierzu Geistliche Gaben erfordert werden, nehmlich  
 
  • wahre Erleuchtung des Verstandes:
  • wahre Reinigung des Hertzens:
  • Himmlische Weisheit,
 
  so müssen selbige von GOtt erbeten werden, und das Gebet selbst ist dahin zu richten, daß er einen gebe  
 
  • erleuchtete Augen des Verstandes, zu erkennen das Geheimniß des Reichs JEsu Christi:
  • ein gehorsames und williges Hertz, um die Göttlichen Wahrheiten anzunehmen, und in ihre Krafft gehen zu lassen;
  • nebst diesem aber auch Himmlische Weisheit, damit man allezeit sehe, und erwähle, was gut; erkenne und fliehe, was böse ist.
 
  Geschicht dieses, und betet ein Studiosus der Theologie fleißig, so fänget er seine Sachen gewiß weise an. Da kan er ein rechter Kern Theologe werden, denn da begiebt er sich in die Schule des Heiligen Geistes, als des besten Meisters, und wird also von oben herab gelehret.  
  Nur muß man wissen, wer derjenige sey, der recht beten könne; und wie das Gebet selbst müsse beschaffen seyn. Denn so lange man in beharrlichen und vorsetzlichen Sünden lebet, kan man nicht beten, und wenn man solches auch thut, so ist dieses Gebet dem Herrn ein Greuel. Das Gebet selbst muß  
 
  • aus dem Hertzen kommen;
  • in wahrem Glauben abgefasset,
  • in einem kindlichem Vertrauen zu GOtt gerichtet,
  • und in Demuth abgeleget werden.
 
  Lutherus hat gar recht gesagt: Qui diligenter orat, orando dimidium studiorum absolvit.  
Die natürlichen Mittel sind  
 
  • die mündliche Unterweisung,
  • die Lesung gewisser Bücher,
  • die Meditation,
  • nebst der damit verknüpfften Übung,
 
  welche wir nacheinander erklären wollen.  
Die mündliche Unterweisung geschiehet auf Universitäten in den sogenannten Collegiis, die nicht versäumet, oder bey Seite gesetzet werden dürffen, wenn einer Gelegenheit hat, sich eines geschickten und treuen Lehrers zu bedienen, der nicht nur dasjenige, was er andere lehren will, gründlich verstehet; sondern auch die Geschicklichkeit, einen deutlichen und ordentlichen Vortrag zu thun, besitzet, und dabey ein redliches und treues Hertz hat, daß er auf den Nutzen seiner Zuhörer siehet. Denn daß ein mündlicher Vortrag das Gemüth in besserer Aufmercksamkeit erhalte, weil er eine grössere Eindrückung in dasselbige zu geben pflegt, davon kan man des Herrn D. Walchs Vorbereitungs-Gründe der Dogmatischen Theologie ... nachsehen.  
  Es muß aber derjenige, welcher die Theologie mit Nutzen hören will, folgendes beobachten:  
 
1) Er muß ein wohl zubereitetes Gemüthe haben, das geschickt sey, die Lectionen darüber zu hören. überhaupt muß das Gemüth von Vorurtheilen[1] frey seyn, und gleich einer leeren Tafel, darauf der Abdruck der Heilsamen Lehre geschrieben werden könne. Er muß mitbringen ein aufrichtiges Verlangen, nicht nur die Theologischen Dogmata wohl und gründlich zu fassen, sondern auch der erkannten Wahrheit gehorsam zu werden und eine rechte Experimental-Erkenntniß
[1] HIS-Data: korrigiert aus: Verurtheilen
  {Sp. 872}  
 
derselben zu erlangen. Er muß[2] also mit einem Worte sich der Frömmigkeit befleißigen, und insonderheit sich das Gebet bey der Präparation zu jeder Lection empfohlen seyn lassen.
[2] HIS-Data: korrigiert aus: maß
 
2) Er muß wenigstens aus der cursoria lectione der Schrifft eine Erkenntniß der Sachen, so in der Heiligen Schrifft enthalten sind, mitbringen. Er muß also die Heilige Schrifft mehr als einmahl von Anfang bis zu Ende durchgelesen haben; oder wo solches schändlich versäumet worden, solchen Mangel noch ersetzen.
 
 
3) Er muß bereits aus dem Catechismo einen Begriff von der Christlichen Lehre und einen General-Begriff von dem Grunde und der Ordnung des Heils gefasset haben. Aber er muß deswegen bey dem Systematischen oder Dogmatischen Studio dem Catechismum nicht bey Seite legen, weil man auch wissen muß, eine Sache populär vorzutragen. Sonderlich ist nöthig, daß er die dicta classica auswendig lerne.
 
 
4) Er muß billig von der Griechischen und Hebräischen Sprache so viel gefasset haben, daß er die dicta probantia, die in der Theologie vorkommen, im Grund-Texte lesen, und mit Beyhülffe einer guten Version verstehen könne.
 
 
5) Das Compendium, darüber Lectionen gehalten werden, muß man sich wohl bekannt machen, und nicht nur von der Einrichtung und Ordnung desselben, eine rechte Idee in seinem Gemüthe haben, sondern auch dasselbe ein und andermahl durchlesen, und die contenta desselben sich recht bekannt machen. Von der Lesung vieler andern Bücher muß man zu solcher Zeit, wenn man thesin höret, abstehen, damit man das Gemüth nicht distrahire, um muß sich da an sein Compendium halten, und dasjenige, was zu dessen Erläuterung gesagt wird, sich recht imprimiren; wo aber von dieser und jener Materie andere Autoren angeführet werden, sich solches zum künfftigen Gebrauch notiren.
Siehe Melanchthons Rath, welchem man in Franckens Method. stud. Theol. ... findet.
 
6) Hat man sich schon vorher auf der Schule oder auf einer andern Universität an ein ander Compendium gewöhnet, so muß man dasselbe nicht gäntzlich bey Seite legen, sondern mit dem gegenwärtigen Compendium immer conferiren und eines mit dem andern suppliren.
 
 
7) Man thut wohl, wenn man nebst dem Lateinischen Compendio auch ein Teutsches zur Hand hat, damit man sehe, wie die Sache in Teutscher Sprache deutlich und verständlich ausgedruckt werde, die von denen Theologen mit Kunstwörtern vorgetragen wird.
Dazu kan dienen des Nicolaus Hunnius Epitome credendorum, Freylinghausens Grundlegung der Theologie, und M. Adolph Friedr. Meyers Glaubens-Grund und Lebens-Weg, Speners Glaubens-Lehre etc.
 
8) Wenn man vier bis fünf Jahre auf Universitäten bleiben kan, so muß man sich nicht mit einem Collegio thetico begnügen lassen, sondern es zum zweytenmahl hören. Alsdenn wird man erst einen rechten Nutzen davon haben. Da kan man auch ein kürtzeres Systema oder Compendium dabey nachlesen.
Dazu kan man brauchen des Chemnitius Locos Theologicos oder Breithaupts und des Buddeus Institutiones Theologiae dogmaticae.
 
9) Man muß sich bey der Anhörung eines Collegii thetici durchaus nicht damit begnügen las-
 
  {Sp. 873|S. 450}  
 
sen, daß man nur die dogmata sich vortragen lasse, und das nöthige notire, sondern man muß zu Hause alles fleißig repetiren, und jede Lection durch eine sorgfältige Meditation gehen lassen.
 
Mit denen Collegien und der darinnen angestellten mündlichen Unterweisung ists allein nicht ausgemacht, weil in demselbigen vornehmlich nur darauf gesehen wird, daß ein guter Grund in dieser oder jener Wissenschafft möge geleget werden, worauf denn der angefangene Bau der Gelahrheit weiter muß fortgeführet werden. Darzu ist die Lesung guter Bücher, als das andere Mittel, nöthig, wobey man so wohl auf die Erkänntniß; als auf den Gebrauch derselbigen zu sehen hat.  
  Die Erkänntniß wird billig voraus gesetzet, und ist entweder eine Historische; oder judicieuse. Bey jener siehet man auf die äusserlichen Umstände eines Buchs, was dessen Verfasser, Aufschrifft, Auflagen etc. betrifft, welche zu erlangen verschiedene Mittel vorhanden, als wenn man sich fleißig in Bibliothecken und Buchläden umsiehet, die Journale, gelehrten Zeitungen und Catalogos u.d.g. lieset. So haben verschiedene besondere Theologische Bibliothecken verfertiget, und in denselbigen ein Verzeichnis von denen zur Gottesgelahrheit gehörigen Schrifften mitgetheilet, und zwar so wohl von denen Römischen-Catholischen, als Protestanten, als:  
  Anton Possevinus, ein Jesuit, dessen Bibliotheca selecta sowohl; als der adparatus sacer zu verschiedenen mahlen, und zwar der letztere vermehrt zu Cölln 1608 in Folio heraus gekommen, und nach Alphabetischer Ordnung eingerichtet ist.  
  Gisbert Voetius, welcher Exercitia et bibliothecam studiosi theologiae geschrieben, die anfänglich zu Utrecht 1644 nachgehends etliche mahl vermehrter, und unter andern zu Franckfurt 1685 in 12 gedruckt worden; aber gar schlecht gerathen ist.  
  Johann Heinrich Hottinger, dessen Bibliothecarius quadripartitus zu Zürch 1664 in 4 heraus gekommen, und in einigen Stücken, was insonderheit die Nachricht von denen Orientalischen Scribenten anlangt, wohl zu gebrauchen ist.  
  Gerhard Meier, von dem Bibliotheca Theologica contracta vorhanden ist, in welcher unter andern die vornehmsten Bücher der Theologischen Wissenschafften erzehlt werden. Sie ist zum drittenmahl 1692 in 12 herausgekommen.  
  Salomon van Til, nach dessen Tod 1717 Methodus concionandi nebst einer angefügten Bibliotheca Theologica zum Vorschein gekommen, welche jedoch weder hinlänglich, noch ordentlich abgefasset ist.  
  Paul Boldanus, dessen Bibliotheca Theologica zu Jena 1614 und mit der Fortsetzung zu Leipzig 1622 ans Licht getreten ist.  
  Georg Draudius, welcher eine Bibliothecam classicam ediret, die zu Franckfurt 1611 und  
  {Sp. 874}  
  nachgehends vermehrter 1625 in 4 zum Vorschein gekommen.  
  Martin Lipenius, der eine Bibliothecam realem theologicam in zwey Theilen, 1685 in Fol. heraus gegeben, und darinnen nach Alphabetischer Ordnung unter gewissen Titeln die Scribenten angezeiget, welche von dieser und jener Theologischen Materie geschrieben haben.  
  Johann Christ. Dorn, dessen Bibliotheca theologica critica ... aus zwey Theilen bestehet, und ist der erste 1721 der andere 1723 in 8 ans Licht getreten.  
  Johann Fabricius, dessen Historia bibliothecae, darinnen er seine eigene Bibliotheck beschrieben, und von den Büchern, die er gehabt, eine genaue Nachricht ertheilet, mit Nutzen zu gebrauchen ist. Das gantze Werck bestehet, aus sechs Theilen in 4 die nach und nach heraus gekommen, als der erste 1717, der andere 1718, der dritte 1719, der vierdte 1721, der fünfte 1722, und der sechste 1724.  
  Christian Matthäus Pfaff, in dessen Introductione in historiam theolog. litterariam die weitläufftigste Nachricht von Theologischen Büchern anzutreffen ist. Sie bestehet aus drey Theilen in 4 und ist der erste 1724, der andere 1725, und der dritte 1726 ediret worden.  
  Solche Bücher sind nicht alle von einerley Art, und müssen daher mit Verstand gebrauchet werden. Manche haben ihre wichtige Fehler und Mängel: Geben die Bücher unordentlich, unrichtig und unzulänglich an: Lassen bisweilen die besten vorbey, und berühren wohl welche, die niemahls heraus kommen.  
  Wie aber solche Bibliothecken sich auf alle Wissenschafften der Gottesgelahrheit erstrecken; also hat man auch einige, die ins besondere auf eine gewisse Theologische Disciplin gerichtet sind, als die Erklärung Heil. Schrifft, auf die Moral; deren jedoch hier nicht zu gedencken, und viel mehr zu erwehnen ist, daß man sich zugleich der Catalogorum Theologischer Bücher mit Nutzen bedienen kan, zumahl, wenn sie nach einer guten Ordnung und mit gehörigem Fleiß abgefasset sind, dergleichen von den Bibliothecken  
 
  • Abraham Hinckelmanns,
  • Johann Wincklers,
  • Christian Schraders,
  • Thomas Ittigs,
  • Johann Cyprians,
  • Joh. Friedrich Mayers,
  • Johann Wilhelm Baiers,
  • Friedrich Adolph Lampens,
  • Ernst Salomon Cyprians,
 
  vieler andern zu geschweigen, heraus sind.  
  Damit kan man nicht weniger die Journal-Schrifften, und insonderheit diejenigen verknüpffen, in welchen vornehmlich Theologische Bücher recensiret werden; an die Urtheile aber, die zuweilen darüber gefället werden, darff man sich nicht allezeit kehren. Denn es laufft offtmahl viel menschliches mit unter.  
  Die judicieuse Erkänntniß der Bücher bringet mit sich, daß man den Werth derselbigen einsiehet, und weiß, was von diesem oder jenem zu halten sey. Der Werth dependiret so wohl von der Materie, die abgehandelt ist;  
  {Sp. 875|S. 451}  
  als auch von der Einrichtung selbst, die Materie muß nöthig, nützlich und heilsam seyn, und in Ansehung der Einrichtung, wird Gründlichkeit, Deutlichkeit und gute Ordnung erfordert, daß, wenn sich diese zwey Stücke an einem Buch befinden, so hat man es billig vor ein gutes Buch zu halten; jedoch aber auch zugleich auf die Absicht des Verfassers, vor wem solches eigentlich dienen soll, zu sehen.  
  Die Güte eines Buchs erkennet man entweder selbst; oder man muß es auf das Urtheile anderer ankommen lassen: jenes kan wieder auf zweyerley Art geschehen,  
   
  welche und andere Kennzeichen zuweilen eine wohlgegründete Vermuthung würcken; jedoch aber auch offtmahls gar betrüglich sind.  
  Ist man selber nicht im Stande, den Werth und die Güte einer Schrifft zu beurtheilen, und zu erkennen, in dem man entweder das Vermögen, oder die Gelegenheit dazu nicht hat; so muß man es auf das Urtheil anderer so lange ankommen lassen, bis man vor sich selbst die Sache einsehen kan. Nur muß man sich auch die mancherley Arten derer Vorurtheile und des verderblichen Geschmacks von dem Werth einer Schrifft, die sich bey vielen befinden, bekannt machen, und nicht dencken,  
 
  • das Alte sey besser, als das Neue:
  • oder das Neue seit dem Alten schlechterdings vorzuziehen:
  • was aus Holland, Engelland, Franckreich und andern Orten gebracht werde, müsse dem, was in Teutschland gedruckt, vorgehen:
  • wenn eine Schrifft rar, so sey sie auch gut und nützlich:
  • wenn sie klein, dem äusserlichen nach unansehnlich, und von einem bisher gantz unbekannt gewesenen Verfasser kommen, so habe man sie nicht zu achten, da sie gleichwohl unsere wahre Glückseligkeit mehr befördern kan, als manches prächtiges und kostbares Werck.
 
  So hat man auch bey den Theologischen Büchern, wenn man ihren Werth erkennen und beurtheilen will, einen Unterscheid zu machen, sofern sie gelehrt, und so ferne sie geistreich und erbaulich sind. Zur Einsicht der letztern ist ein guter geistlicher Geschmack nöthig, den der H. Geist muß gewürcket haben, und daher kan manchmahl ein gemeiner Mann von dergleichen Schrifften gründlicher urtheilen; als ein Gelehrter, dem es an den darzu nöthigen Geschmack fehlet. Von den Kennzeichen eines guten Buchs kan man lesen
  • Struven in Introduct. in notit. rei litterar. ...
  • Carl Fr. Buddeum Schediasm. de criteriis boni libri;
  • Stollen in der Anleitung zur Historie der Gelahrheit ...
und diesen noch beyfügen den Saldenus de libris varioque eorum usu et abusu. Amsterd. 1688.
 
  Doch, die  
  {Sp. 876}  
  blosse Erkänntniß der Bücher, daß man von denselbigen allerhand Umstände erzehlen, und überhaupt davon urtheilen kan, macht das Werck allein nicht aus: sondern da sie nur voraus zu setzen ist, so muß auch ihr würcklicher Gebrauch darzu kommen.  
  Solchen ordentlich und hinlänglich zu erkennen, hat man sich um drey Stücke zu bekümmern:  
 
1) Was man vor Bücher zu lesen;
2) In was für einer Ordnung dieses geschehen muß;
3) Und wie die Lesung selbst anzustellen sey.
 
  Ein jegliches wollen wir kürtzlich erläutern.  
  Fragt man zuerst: Was man vor Bücher zulesen habe, wenn man eine Theologische Gelahrheit erlangen wolle? so hat man zu wissen, daß das vornehmste Buch die Heilige Schrifft sey, welche man beständig lesen, darinnen forschen, durch die Würckung des Heiligen Geistes den wahren Sinn fassen, und alles zu einer lebendigen Krafft im Hertzen kommen lassen muß, wenn man ein rechtschaffener Gottesgelehrter werden und seyn will. Denn das ist das Buch, darauf die gantze geoffenbarte Theologie gegründet, 2. Timoth. III, 15. 16.
  und je weiter man in dieser fortkommen will, je mehr muß man sich jenes, als eines unerschöpflichen Brunnens, bedienen, so, daß man sich darinnen nicht blosß nach der Art der Ungelehrten, in Absicht auf das Christenthum; sondern auch nach Anweisung der Hermenevtischen Regeln, um den Verstand genauer zu erforschen, und geschickt zu werden, andern die Göttlichen Wahrheiten daraus wieder vorzutragen, umsehen.  
  Lieset man von dem Ezechiel III, 2. und von dem Johann Offenb. X, 10, daß sie Bücher verschlingen müssen; so hat man das als eine Abbildung anzusehen, wie diejenigen, so sich der Gottesgelahrheit gewidmet mit der Heiligen Schrifft umzugehen, und wie sie das Wort dergestalt in ihre Seele einzunehmen haben, daß alles darinnen zu einer lebendigen Krafft kommen möge.  
  Auf solche Art wird einer gewiß ein rechter Lehrer:  
  Matth. XIII, 52.
 
  • man kan mächtig seyn, zu ermahnen, durch die heilsame Lehre, und zu straffen die Widersacher,
Tit. I, 9.
 
  • wenn man nehmlich, wie Apollo, mächtig ist in der Schrifft,
Apostel. XVIII, 24.  
  Ist dieses an dem, so mögen alle Studiosi der Theologie das vortreffliche Exempel so wohl des grossen Lehrers der Israelitischen Kirche, des Esra; als auch des Timotheus, immer vor Augen haben, da es von jenem heisset: Esra schickte sein Hertz, zu suchen das Gesetz des HErrn, und zu thun, und zu Lehren in Israel Gebot und Rechte, VII, 10;
  von diesem aber:  
 
  • Er sey auf erzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre,
1 Timoth. IV, 6.
  2. Timoth. III, 15.
  Mit dieser Göttlichen Schrifft ist die Lesung der menschlichen Bücher zu verknüpffen, und weil diese von mancherley Art sind, so hat man die guten von den unnützen: die nützlichen von den schädlichen und die nöthigen von den überflüßigen zu unterscheiden, und dabey sowohl auf den Endzweck; als auf seine Umstände zu sehen, damit man alles klüglich einrichte.  
  Sie lassen sich überhaupt und insonderheit erwegen. Überhaupt, ohne Absicht  
  {Sp. 877|S. 452}  
  auf eine Theologische Wissenschafft, oder Materie kan man sie in ältere und neuere eintheilen. Die ältern sind die Schrifften der sogenannten Kirchen-Väter, unter denen die Vornehmsten diejenigen sind, welche von den sogenannten Apostolischen Männern annoch vorhanden; ausser diesen aber hat man sich von den Griechischen die Schrifften  
 
  • des Justin. Martyris,
  • des Origenes,
  • des Clemens Alexandrinus,
  • des Eusebius,
  • des Basilius,
  • des Gregorius Nazianzenus,
  • Gregorius Nyssenus,
  • Chrysostomus,
  • des Athanasius,
 
  und von den Lateinischen die Schrifften des  
 
  • Tertullians,
  • Cyprians,
  • des Lactantius,
  • Ambrosius,
  • Augustins
  • und des Hieronymus
 
  bekannt zu machen, und den letztern sonderlich den Gregorius M. und Bernhardus beyzufügen, ob sie wohl zu der Zeit gelebet, da die Kirche schon verderbt und die Christliche Lehre bereits verdunckelt war. Doch hat sich hierinnen ein jeder nach seinen Umständen zu richten, und insonderheit aus seinen Endzweck, den er bey seinem Studiren hat, zu sehen. Die Lesung der Kirchen-Väter ist nicht schlechterdings nöthig; sie hat aber ihren grossen und vielfältigen Nutzen, wo sie gehöriger massen angestellet und angewendet wird.  
  In Ansehung der neuern Theologischen Schrifften ist insonderheit viel daran gelegen, daß man sich die besten auszulesen wisse, weil selbige in so grosser Menge vorhanden sind. Vornehmlich hat man sich um diejenigen zu bekümmern, welche von den Theologen der Evangelisch-Lutherischen Kirche aufgesetzet worden, unter denen die Schrifften Lutheri die vornehmsten sind; daher billig als eine Schande anzusehen, wenn manche Lehrer und Prediger, die sich von Luthern nennen, entweder nicht, oder doch sehr wenig von ihm gelesen haben.  
  Nach diesen sind zu recommendiren in die Schrifften des  
 
  • Johann Brentius,
  • Philipp Melanchthons,
  • des Johann Matthesius,
  • Martin Chemnitius,
  • Johann Arnds,
  • Joh. Gerhards,
  • des Joh. Georg Dorscheus,
  • Joh. Conr. Dannhauers,
  • Abraham Calovs,
  • Sebast. Schmidts,
  • Martin Geiers,
  • Joh. Hülsemanns,
  • Joh. Adam Schertzers,
  • des Johann Musäus,
  • Friedem. Bechmanns,
  • Philipp Jacob Speners,
  • und vieler andern.
 
  Weiß man gleich, welches die besten und vornehmsten Bücher sind, die man vor andern zu lesen hat; so sind selbige gleichwohl von unterschiedener Art, und man hat daher vors andere zu erwegen: In was vor einer Ordnung solche Lesung anzustellen sey? Denn die Erfahrung lehret, daß manche, ob sie gleich sehr fleißig sind, und viele Bücher lesen, gleichwohl nichts rechtes vor sich bringen, welches unter andern mit daher kommt, weil sie unordentlich studiren. Überhaupt hat man hier die Ordnung nach den Regeln der Klugheit einzurichten, nach welchen man vom Leichtern zum Schwerern; vom Geringern zum Grössern; von dem, was nöthig ist zu dem blos nützlichen und zierlichen schreitet. In solcher Absicht hat man die mancherley Bücher nach einer dreyfachen Art anzusehen.  
  Einige sind Compendia, und fassen vornehmlich die Grund-Sätze einer Wissenschafft in sich, die man vor andern zu lesen, zum  
  {Sp. 878}  
  Grunde zu legen, und sich bekannt zu machen hat. Denn derjenige Studiosus würde gewiß nicht glücklich handeln, welcher den Anfang in der Theologie machen, und zuerst Gerhards Locos Theologicos; oder Calovs Systema locorum theologicorum lesen wolte; da er vielmehr ein kurtzes, leichtes und deutliches Compendium vor die Hand nehmen muß.  
  Andere sind grössere Wercke, und als Auslegungen derer Compendien anzusehen, in denen dasjenige, was in jenen kurtz zusammen gefasset, und vorgetragen worden, weiter ausgeführet ist, welche man desto nützlicher brauchen kan, wenn man vorher aus einem Compendio die Grund-Sätze einer Disciplin richtig gefasset hat.  
  Noch andere sind gleichsam Miscellan-Bücher: fassen eintzelne und besondere Materien in sich, und sind ebenfalls, wie wohl gleichsam nur zuletzt, zum Gebrauch anzuwenden, so, daß man sich vorhero deren Innhalt bekannt machet, und nachgehends bey vorfallender Gelegenheit darinnen nachschläget.  
  Doch bey dem allen kommt drittens das Hauptwerck darauf an: Wie man die Bücher zu lesen habe? Man hat hier sowohl auf die Maasse; als auf die Art und Weise selbst zu sehen.  
  In Ansehung der Maasse muß man auf der Mittel-Straße bleiben, und die beyden Abwege vermeiden. Der eine ist, wenn man der Sache zu viel thut, und nichts anders vornimmt, als daß man immer in Büchern lieset, ohne sich selbst in gewisse Betrachtungen und Überlegungen dieser und jener Sache zu begeben, woraus zwar eine weitläufftige Gelahrheit und der Ruhm einer grossen Belesenheit entstehen kan: Vielmahls aber fehlet es dabey an guter Ordnung und Gründlichkeit, darzu man durch das blosse Lesen nicht gelanget.  
  Bey dem andern Abwege geschicht der Sache zu wenig, indem man gar keine Bücher lieset, und vermeynet, durch das blosse Nachdencken und Meditiren ein gelehrter Mann zu werden, welches sich gleichwohl so schlechterdings nicht thun lässet, und wenn es auch in ein und den andern Materien angehet, daß man vor sich zu einer gründlichen Erkänntniß darinnen gelanget, so hat man zu bedencken, daß man sich vielleicht das Werck erleichtert hätte, wenn man vor und bey der Meditation ein und das andere Buch gelesen.  
  Die Art und Weise selbst, wie die Lesung anzustellen, beruhet vornehmlich darauf, daß solches mit Verstand und guter Überlegung geschehen muß, und zwar so, wie es die in denen Büchern vorgetragene Materien mit sich bringen. In einigen, die nehmlich die Philologie und Historie angehen, kommen solche Dinge vor, bey denen man zwar hauptsächlich das Gedächtniß braucht; dennoch aber muß man es auf dasselbige nicht allein ankommen lassen; sondern das Nachdencken darzu nehmen, um die Meynung des Autors recht zu fassen: Die Gründe dessen, was er vorträgt, einzusehen, und zumahl in Historischen Materien allerhand practische Reflexionen anzustellen.  
  In andern sind judicieuse Sachen vorgetragen, welche insbesondere müssen gelesen werden, damit man nicht nur die wahre Meynung des Verfassers erkenne; sondern auch sehe, ob, und wie weit selbige gegründet sey, mithin hat man eine Meditation anzustellen,  
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  von welcher wir gleich ein und das andere bemercken wollen, vor jetzo aber noch dieses gedencken, daß man von dem Frantz Sacchinus, einem Jesuiten, eine kleine Schrifft: De ratione libros cum profectu legendi hat, so zu Rom 1650 in 12 herausgekommen, nach der Zeit aber sich rar gemachet, und dahero von dem Herrn Groschupf seiner novor. libr. rarior. collection. ... einverleibet worden; wiewohl nicht viel besonderes daran ist. Des Thomas Bartholinus Dissertationes de libris legendis kamen zu Coppenhagen 1676 in 8 heraus, worauf sie der Herr Meuschen nebst einer Vorrede im Haag 1711 in 8 wieder auflegen lassen.  
     

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Stand: 20. Februar 2013 © Hans-Walter Pries